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Dülmen kann mehr

Thomas Sternberg stellte NRW-Schulpolitik in Dülmen vor.

Professor Thomas Sternberg

Professor Thomas Sternberg

Der Landtagsabgeordnete Prof. Sternberg war auf Initiative der Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen (www.kmf-net.de) ins Pfarrheim Heilig Kreuz nach Dülmen gekommen.Dieser weitgehend unbekannte Verband mit dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Namen „Gemeinschaft katholische Männer und Frauen“ könnte man salopper auch als „katholische Lions oder Rotarier“ bezeichnen. Dülmen stellt wohl bundesweit einzigartig drei Gruppen mit ca. 40 Mitgliedern.

Die Gruppen treffen sich in der Regel monatlich und stellen thematische Jahrespläne, nach eigenen inhaltlichen Schwerpunkten auf. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Professor Sternberg, wurde auf Initiative der „jüngsten“ Gruppe eingeladen.

Professor Sternberg brachte reichlich schulpolitischen Zündstoff mit nach Dülmen. Zwei Drittel der Schüler gehen nämlich gar nicht auf das Gymnasium. „Bildungsbiografien sind hoch individuell“ erklärte er den Teilnehmern. Sternberg machte auch Schluss mit dem Glauben, die Studenten kämen alle vom Gymnasium. „40 Prozent der Studierenden haben ihre Zugangsberechtigung nicht über das Abitur erworben.“ Auch erfreulich: immer noch ein Drittel der Kinder von Hauptschulen erwerben die Fachoberschulreife.

Jedoch können diese Zahlen nicht verschleiern, dass es ein demografisches Problem gibt, das zunehmend das Münsterland erreicht. Es wird in den nächsten zehn Jahren 25 Prozent weniger Kinder geben. Deutlich machte der Referent dies an den Zahlen zur Einschulung: 1995 wurden etwa 207500 Kinder eingeschult, 2015 werden es wohl nur noch 150000 Kinder sein. Mehr als 15.000 Klassen fallen weg, eine gigantische Zahl.

„Wir sind auf jedes Kind angewiesen“! erklärte Sternberg dem staunenden Publikum. Hier wird der von der Wirtschaft beschworene Fachkräftemangel nun sehr konkret mit Zahlen belegt.

In diesem Zusammenhang bekommt das sogenannte Hauptschulproblem wohl eine ganz andere Bedeutung. In zweiten Teil seines Vortrags erklärt Sternberg die Genese des Schulkompromisses in NRW. Die Sekundarschule sei keine Gesamtschule, auch keine Verbundschule, sondern eine neue dritte Schulform, betonte Sternberg. Der Schulkonsens in NRW trägt auch keinen parteilichen Sieger, sondern ist ein guter Kompromiss. Die Sekundarschule kann in verschiedenen Formen gegründet werden. Im 5. und 6. Jahrgang wird gemeinschaftlich und differenziert gelernt. Wichtig sei es aber auch nach Sternberg, den Ganztagsbereich konsequent weiter auszubauen.

Der Abend brachte eine Reihe von Erkenntnissen: die Bildungs- und Schulpolitik differenziert sich immer weiter aus. Das macht es für die Eltern schwieriger, eine angemessene Entscheidung für die passende Schulform ihres Kindes zu treffen. Es setzt aber auch die Lehrer unter einen nicht unerheblichen Druck, unter den neuen Bedingungen angemessen curricular und pädagogisch zu unterrichten, zumal viele Lehrer in ihrem Studium darauf gar nicht vorbereitet wurden.

Die Politik steht vor der immensen Herausforderung, angesichts der dramatisch sinkenden Schülerzahlen, Schulkonzepte zu entwickeln, die einerseits den Herausforderungen des globalen Wandels Rechnung tragen – Deutschland ist und bleibt ein Exportland und braucht hochqualifizierte Wissenschaftler und Ingenieure – die der individuellen Förderung des Kindes gerecht werden. Jedes Kind ist individuell etwas ganz besonderes, auch und gerade wenn es vielleicht nicht so schnell rechnen kann wie der Durchschnitt.

Jürgen Holtkamp (Moderator), Professor Thomas Sternberg

Jürgen Holtkamp (Moderator), Professor Thomas Sternberg

Mut machte dieser Abend, dass die Erkenntnis, jedes Kind so zu fördern, dass es weder unterfordert noch überfordert wird, in der Politik angekommen ist.

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