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Dülmen kann mehr

Cooles Happening für Familien

 

Logo vom Pfingstreffen 2012
Logo vom Pfingstreffen 2012

Genüsslich trinkt Paul seine Limonade. Die Backen sind rot von der Anstrengung und die Haare ganz schön verschwitzt. Der Junge strahlt übers ganze Gesicht und wer in dieses Kindergesicht schaut, erhält mehr als nur einen Eindruck von Glück und Zufriedenheit.

Nicht nur Paul gefällt es hier beim Pfingstreffen auf dem Bonner Venusberg. Weit über 200 große und kleine Menschen haben sich zum Familienseminar versammelt.

Für Außenstehende mutet diese geballte Ladung an Familie auf recht engem Raum wie eine Zumutung an. Warum in aller Welt fahren diese Leute mit ihren Kindern bei bestem Wetter – die Temperaturen liegen zwischen 23 und 27 Grad nicht an die See oder suchen sich eine Ferienwohnung und machen Urlaub.

Stattdessen essen über 200 Menschen in einem nicht klimatisierten Saal, in dem es dröhnt wie bei einem Konzert. Das Essen macht satt, kulinarische Besonderheiten sind nicht zu erwarten. Geschirr und Besteck sind in die Jahre gekommen. Auch der Zimmerstandard kann nicht mit einem 3-, geschweige denn 4- Sterne Hotel mithalten. Fernseher, Minibar oder W-Lan-Anschluss auf dem Zimmer gibt es nicht, stattdessen Mehrbettzimmer mit Duschen auf der Etage.

Wenn es nicht die schicke Unterkunft ist, die die Familien nach Bonn treibt, was dann? Vielleicht das Programm?

„Mit der Kirche über den Jordan gehen – Handlungsspielräume für Wasserläufer“ lautet der Titel der Veranstaltung. Das klingt doch eher sperrig und wenig medienkompatibel sowie Kinder- und Jugendaffin.

Treffen sich hier also eher Familien aus einem strengkatholischen Milieu? Weit gefehlt. Wer in die Gesichter der Mütter und Väter schaut, wer mit ihnen spricht, nach ihren Jobs und Qualifikationen fragt, stellt schnell fest: Das sind gut ausgebildete, qualifizierte Männer und Frauen, die in der Mitte der Gesellschaft stehen. Da gibt es Professoren, Ingenieure, Banker, BWLer, Leiter/innen von Bildungseinrichtungen und Fachbereichen in Kommunen. Hier treffen sich Eltern, die sich selbst als modern und aufgeschlossen verstehen, die noch nicht mal alle derselben Konfession angehören, einige sind zwar in der Pfarrgemeinde engagiert, ebenso viele nicht oder haben gar keinen Bezug zu ihrer „Heimatgemeinde“.

Fassen wir mal ganz kurz zusammen: Die Unterbringung spartanisch, das Thema haut moderne Menschen nicht unbedingt vom Hocker. Bliebe noch der Veranstalter? Der dürfte bei den meisten Menschen wohl gleich zu einem müden Lächeln verleiten. „Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen (KmF) so der Name (Internet: http://www.kmf-net.de/). Klingt jetzt auch nicht gerade nach einem Verband oder einer Gruppe, die „cool“ sein könnte.

Was also bewegt diese jungen modernen und interessanten Familien mit ihren Kindern über das Pfingstwochenende nach Bonn auf den Venusberg zu fahren?

Die äußeren Rahmenbedingungen können es nicht sein, blieben die nicht sichtbaren Dinge des Lebens.

Ich versuche mal eine Antwort.

Hier treffen sich Eltern mit ihren Kindern, die ähnlich „ticken“. Man kommt an und hat das Gefühl, nie weg gewesen zu sein, der Gesprächsfaden war gar nicht abgerissen. Das mag vielleicht zunächst unverständlich klingen und irgendwie ist es das auch, zumal Gefühle nur schwer zu beschreiben sind. Es klingt auch merkwürdig: Alle mögen sich, alle respektieren sich, so wie er oder sie ist. Man geht wertschätzend miteinander um. Das meint aber nicht Gleichmacherei, sondern ganz im Gegenteil: Die Kraft der Argumente, der Meinungen, Thesen und Antithesen zählt. Man ringt um Themen und Inhalte, man diskutiert leidenschaftlich miteinander und feiert intensiv, nicht nur Gottesdienste.

Es gab 2012 viele von diesen besonderen Momenten, die Gänsehaut erzeugten, wenn am Anfang alle das eigens geschriebene Lied zum Wochenende vom Wasserläufer sangen, wenn am bunten Abend die kleinen Kinder ein Kinderstück aufführten, oder wenn sich eine junge Frau vor 200 Leuten hinstellte und ein Solo – begleitet auf dem Klavier – sang.

Wenn ein behinderter Jugendlicher nicht nur einen Trommelworkshop anbietet, sondern die zehn bis fünfzehn Erwachsenen zu Trommlern machte, die Gruppe souverän leitete und abschließend ein wahnsinniges Solo spielte, waren sie da, diese magischen Momente. Wenn am Abend vor dem Lagerfeuer bei Stockbrot die alten Klassiker gesungen wurden, wenn am Vormittag in Vorträgen über die Kirche der Zukunft intensiv debattiert wurde und in einem anderen Workshop eine Jugendkirche aus Bistum Aachen vorgestellt wurde. Wenn nach einer kurzen Nach morgens um 7 Uhr das Morgengebet angeboten wurde, wenn Eltern mit Kindern spielten, wenn die Jugendbetreuer einen filmreifen Auftritt beim Abschlussabend vorlegten, wenn alle gemeinsam aufräumten und einen Gottesdienst feierten, und bei dem sich keiner langweilte obwohl länger als jeder Gemeindegottesdienst war.

Diese Form taugt nicht für jedermann und das ist auch gut so. Spektakulär mag vieles auch nicht sein, braucht es auch nicht: Jeder zählt, so lautet die Botschaft.

Auf dem Venusberg war es spürbar, dieses heilige Gefühl, diese ganz besonderen Momente und das ist soooooo cool!

Dieser Geist steckt andere an und so kommen Jahr für Jahr neue Familien hinzu und das ist gut so, verändern sich die Lebensverhältnisse der Familien ständig.

Wer hier angekommen ist: In Dülmen gibt es drei solcher Kreise mit ca. 16 bis 20 Personen, die sich diesem Verband zurechnen.

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