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Dülmen kann mehr

Einkaufszentrum: Verschiedene Perspektiven betrachten

by_Gerd_Altmann_AllSilhouettes.com_pixelio.de

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Schon in zwei Jahren könnte es soweit sein: Ein Einkaufszentrum schmückt den Overbergplatz. Das freut nicht nur die Stadt, sondern auch die Bürger. Da haben doch alle alles richtig gemacht. Klug ist der, der hinter die Kulissen schaut, der Folgen und Risiken abwägt. Nehmen wir uns daher etwas Zeit und prüfen die Interessen der Beteiligten.

Da ist zunächst die Stadt Dülmen. Dass die Stadt finanziell klamm ist, dürfte den meisten Dülmenern bekannt sein. Finanzielle Spielräume sind nicht drin. Da würde ein Einkaufszentrum gut in das Konzept passen, zumal es einen Investor gibt, der die Kosten übernimmt. Was dieser braucht ist ein Grundstück in zentraler Lage mit guter Anbindung. Die Stadt selbst erhofft sich damit nicht nur höhere Besucherströme, sondern auch die Ansiedlung von Unternehmen die Gewerbesteuer zahlen. Speziell für Dülmen gilt es, die Weiterentwicklung der KIK-Immobilie an der Münsterstraße voranzutreiben.

Schauen wir uns als weiteren Beteiligten den Investor an. Festgelegt wurde, dass das Einkaufszentrum mit der Concepta entwickelt werden soll. Auf der professionell gemachten Internetseite kann sich der Besucher von der Seriosität des Unternehmens überzeugen. Ob Stadtgalerie Witten oder Stadtcenter Düren, der Investor weiß, wie man ein solches Konzept umsetzt. Die Concepta investiert, um Renditen zu erwirtschaften und hat sicherlich gute Kontakte zu potentiellen Mietern.

Dass die Concepta gerne in Dülmen investieren möchte, kommt nicht aus heiterem Himmel. Immobilien sind gerade in Krisenzeiten (siehe Finanzkrise) eine sichere Investition und bieten auf Jahre schöne und vor allem sichere Renditen, wenn sie – wie in Dülmen – zentral gelegen sind. Ein Investor ist kein soziales Unternehmen, das einer Stadt Gutes tun möchte, sondern ein Geschäftspartner. Sie erwerben Grundstücke und Parkplätze für Filialisten, weil bei denen die Mieten sicher sind. Kleine Boutiquen oder Einzelhändler können sich die lukrativen Lagen oftmals nicht leisten, weil die Frequenz nicht reicht. Interessant sind Ketten wie H&M, C&A, Saturn und Mediamarkt. Und so kommt ein ganz spezielles Mietersegment zu Stande.

Viele Dülmener freuen sich, wenn der große Electronik-Fachmarkt kommt. Saturn und Mediamarkt werden es nach den aktuellen Entwicklungen bei Kress nicht sein, kommen wird Telepoint.

Wer sich die Pläne anschaut sieht aber sofort, dass im Einkaufszentrum noch reichlich Platz ist. Wer nutzt diese Flächen? Viel spricht dafür, dass es ein „Textiler“ sein wird. Und da sollten viele stutzig werden. Haben wir in Dülmen nicht schon ein umfassendes Angebot? Zeigt nicht das Beispiel Kress, wie groß der Verdrängungswettbewerb in Dülmen ist? Ahlert, dipiu, Jürgensmeier, Kuhmann, Wiese, um nur einige zu nennen, bieten den Kunden viel.

Werfen wir nun den Blick auf jene, um die es geht, die Kunden: Der Kunde in Dülmen möchte das Einkaufszentrum. Er möchte die großen Filialisten und mit dem Auto auf das Parkdeck oder in die Tiefgarage des Einkaufszentrums fahren und shoppen gehen. Gerade junge Kunden mögen diese Art des Einkaufens mit kurzem Wegen und allem was das Herz begehrt auf 5000 Quadratmeter. Preiswert soll das Einkaufszentrum zudem sein.

Damit sind innovative architektonische Kreationen nur bedingt vereinbar.Man baut zweckmäßig und kostengünstig.

Kommen wir in unserem kurzen Exkurs nun auf die Politik zu sprechen. Die wirtschaftspolitischen Möglichkeiten einer hochverschuldeten Stadt wie Dülmen sind beschränkt. Der politische Handlungsspielraum wird immer kleiner. Für alle Kommunalpolitiker dürfte das unbefriedigend sein, umso mehr werden sich alle freuen, wenn ein Investor kommt und in mauen Zeiten eine Perspektive anbietet. Warum sollte man die Ideen nicht aufgreifen. Das tut nicht nur der eigenen Seele gut, sondern gibt eine Perspektive für die Zukunft.

Werfen wir abschließend den Blick auf den Einzelhandel in der Innenstadt. Wenn das Einkaufszentrum kommt, wird es Gewinner und Verlierer geben, der Verdrängungswettbewerb kommt. Der Einzelhandel kennt das und sein Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ lässt durchblicken, dass Konkurrenz an sich so falsch nicht sein kann. So wird das auch in Dülmen sein.

Wenn H&M in das Einkaufszentrum einzieht, werden die textilen Einzelhändler von der Zugkraft profitieren, denn für das junge Publikum hat Dülmen nun wirklich nichts Vergleichbares zu bieten. Anders sieht das natürlich aus, wenn Marken wir Gerry Weber, Hugo Boss, Cecil oder Esprit einziehen, die seit Jahren in den Dülmener Textilgeschäften geführt werden.

Soll jetzt kein Einkaufszentrum gebaut werden? Die Antwort ist ganz eindeutig. Dülmen braucht ein Einkaufszentrum! Wichtig ist zu klären, welche Größe und inhaltliche Ausgestaltung das Einkaufszentrum erhalten soll. Mit einem brutalen Verdrängungswettbewerb hat die Stadt Dülmen überhaupt nichts gewonnen. Dann laufen womöglich alle ins Einkaufszentrum und die Läden in der Innenstadt stehen leer. Damit ist niemandem geholfen. Ein anderes Szenario könnte ja auch sein, dass das Einkaufszentrum nicht die erhofften Erwartungen erfüllt, der Investor es verkauft und am Ende eine abgehalfterte Königspassage herauskommt. Damit weder das eine noch das andere passiert, heißt es jetzt alle Kraft zu sammeln und zu überlegen, wie eine langfristige Strategie für Dülmen entwickelt werden kann. Das ist nicht Aufgabe des Investors, setzt aber voraus, dass die Erwartungen und Interessen in einen Ausgleich gebracht werden, eben die verschiedenen Perspektiven gesehen werden. Keine leichte Aufgabe

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